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Liebe Anhängerinnen, Fans oder Ehemaligen des HAUSes,
wir möchten Euch hiermit ganz herzlich einladen, mit uns eine Webseite/Blog zu gestalten.

WAS?

Stellvertretend für das HAUS, könnte diese Seite: haus-archiv.de ein temporäres Diskussions- Forum und Archiv sein.

VORAB

Auslöser für diese Idee hier war die Ausstellung der Initiative Weltsubkulturerbe e.V., deren Ansatz ich einfach toll fand. Auch, dass eine Idee, die um 1994 entstand und die bis 2016 weiter getragen wurde, immer noch ein Interesse auslöste, fand ich ungewöhnlich. So nahm ich Kontakt zum WSKE auf, bereitete mit zwei weiteren Berliner- und einem Kasseler-Ex-Haus-Mensch eine Webseite vor und traf gleichzeitig zwei WSK-Erbinnen im Café Nordpol, um das haus-archiv.de hier gemeinsam zu initiieren.

KURZ VOR‘M MYTHOS

Um nicht in die Falle zu tappen, einen weiteren, nostalgischen Kultur-Friedhof zu pflegen, fänden wir es ganz schön, wenn an dem ganzen Posthumen noch ein lebendiges Wirken mit dran hinge, also dass hier ein Forum entstünde, das sich nicht in Erinnerungsnebeln verliert, sondern tatsächlich im Austausch mit den ganz neuen Strömungen und Ablegern befände. Das ist vielleicht sogar leichter, wenn man das Alte als Hintergrund und Anstrich für neue Projekte und Aktionen aufstellt, einfach mal stehen lässt, als Grundrauschen, Gerüst, luftige Baustelle.

Ein wachsendes Archiv fänden wir sympathisch. Die Wortschöpfung Weltsubkulturerbe hat ja bereits jenen ironischen Nachhall, mit dem sie satirisch klarstellt und darauf beharrt, dass Kunst eben nicht als bleibende Tote, sondern als flüchtige Lebende reizvoll wirkt. Nichts Schlimmeres als ein Denkmal mit Blumenrabatte. Einen offenen, aktuellen Raum zu schaffen, in dem tatsächlich was passieren kann, fänden wir anregend. Eine Art Zeitschrift, die von dem lebt, was gerade geschieht, was ihr dazu beitragt, welche unsere Ideen eben so lange weiter trägt, wie es Spaß macht und ein reger Austausch stattfindet, wäre dabei das Idealbild.

LA MAISON C‘EST MOI

Ausgehend von der Ausstellung im vergangenen April und im Gespräch mit dem WSKE, haben wir uns Fragen gestellt bezüglich eines Onlineraums zum Erhalt der HAUS-Historie, der Philosophie dahinter. Fragen wie zum Beispiel: Halt mal, um was ist es denn dort genau gegangen? Was war das Besondere daran? Welche Schätze liegen außer alter Marmelade noch im Keller? Wollt ihr das Zeug an die Öffentlichkeit zerren und hier einstellen?! Darüber zu diskutieren, dazu könnte das hier dienen, Genau!: als gäbe es nicht Dringlicheres als einem mickrigen Biotop der Selbstverwirklichung anzuhängen. Nee, – ist aber so, weil man‘s tun kann, oder lassen. Wir würden es gern mit Euch tun! Wer seine Erinnerungen, Bilder, Objekte nicht unbedingt nochmal hervorholen möchte, dem/derjenigen sei versichert: Keine/r wird hier ins Rampenlicht gezerrt, kulturell oder urheberrechtlich ausgebeutet. Wir wollen darauf achten, dass alle ausgestellten Materialien im Einklang mit den Verfassern, Urhebern und Dargestellten veröffentlicht werden. Rückrufe und Beschwerden sollen unverzüglich entgegen genommen und zu Änderungen und Löschungen führen.

ORT

Das HAUS. Ein Club, eine Begegnungsstätte, Experimentier-, Übungs-, Party-Raum. Kasseler der etwas abseitigen Natur wissen schon Bescheid. Da haben wir, – und vielleicht auch ihr, in den letzten zweieinhalb Dekaden mal was mit zu tun gehabt: ein marodes Bauwerk hielt Stand zwischen Zeiten
politischer Lähmung bis politischem Mord gleich um die Ecke. Spekulanten und Geld ist es letztlich zum Opfer gefallen?! Na, das Ende klingt jedenfalls gewöhnlich und nicht nach dramatischer Selbstzerstörung oder Dahinsiechen. Sehr gute Voraussetzungen für eine Zukunft.

WIRKUNG

Vom HAUS hörten auch einige Bands und Fanzines. Hier wurde nie das Größte, das Epochale geplant oder gesucht. Die Magie hinter dieser lokalen Subkultur hat sich Außenstehenden vermutlich nicht immer leicht erschlossen. Gerade die hier in der Kasseler Nordstadt regelmäßig stattgefundenen Begegnungen der sehr eigenen Art – vielleicht weniger spektakulär als im Club nebenan – hatten ihren Charme, weil sie nicht auf Außenwirkung zielten. Es gab hier ein fast natürliches Bewusstsein des Understatements, Menschen fanden sich, die sich gedacht hatten: da geh ich mal hin, weil da muss ich nicht, kann aber anders sein.

Andersdenkende, Anderstickende, die in Kassel nicht automatisch bleiern und schwer in der Kurve hängen bleiben wollten, versuchten unspektakulär etwas Neues, andockend an die kleine, bereits bestehende Subkultur der Stadt. Dass dieser Funke so leicht und entspannt übersprang, die Idee über zwanzig Jahre weiter getragen wurde, ist etwas Besonderes.

STIL

Das Schöne war, und ich glaube, es hat bis zum Schluß 2016 geklappt, dass du dich hier vom Kultur-Posen zurücklehnen und eine Weile entspannen konntest – mehr noch, du durftest es hier. Die beim HAUS-Konzert 1996 von Blumfeld auf genau diese Stimmungslage anspielende, ironische Ansage Distelmeyers: „Hallo, wir sind die Superstars aus Hamburg“ zeigt, erstens, dass die Band diese Geste sehr zu schätzen wusste, zweitens, dass damals eine relaxte, reflektierende linke Kultur am wachsen war in der man sich egalisierte, aktiv wurde, aber gleichzeitig auch entspannen, gemeinsam feiern und singen konnte. Diskussionen, Vorträge und Veranstaltungen drehten sich nicht mehr zuforderst um Szene, Musik, Politik oder Kunst und den damit verbundenen vorherrschenden Moden, sondern vermischten Vieles und wurden im Idealfall undogmatisch, experimentell, humorvoll, spielerisch und locker – dabei nie beliebig oder nur hedonistisch.

FEEDBACK

Ja, darüber würden wir uns sehr freuen! Ob das HAUS-Archiv jetzt starten soll oder nicht, das würden wir gern aus Euren Antworten heraus lesen können.